Informieren – Revolutionieren – Alternativen leben

Wir sind ein Zusammenhang von Menschen, der sich kritisch mit den Entwicklungen der Landwirtschaft auseinandersetzt.

Wir sind mit der gegenwärtigen industriellen Entwicklung, zunehmender Rationalisierung und der damit einhergehenden Technisierung der LWS nicht einverstanden. Hierzu folgen einige Ausführungen.
Die Bearbeitung mit schweren Maschinen stellt eine mechanische Belastung für den Boden dar. Der Einsatz von Pestiziden (Herbizide, Fungizide und Insektizide) belastet die Stoffkreisläufe mit synthetischen Giften. Immer größere Flächen werden mit Monokulturen bewirtschaftet, die zu einer Verarmung der biologischen Vielfalt führen.
Durch die zunehmende Technisierung werden sehr große Flächen von nur wenigen Menschen bewirtschaftet, die zudem oft miserabel entlohnt werden. Ausserdem führt sie zu einer ungerechten Landverteilung – viel Land in den Händen von Wenigen.
Wir lehnen den Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft ab. Sie führt zu keiner Verbesserung der Situation, sondern fördert den Prozess, dass Saatgut zunehmend von wenigen profitorientierten Konzernen kontrolliert wird. Des Weiteren verursacht sie den Verlust von vielen regionalen Sorten zu Gunsten von scheinbar profitablen Einheitssorten.
Wir halten die großflächige Abholzung von Regenwäldern für einen der gefährlichsten Prozesse der Gegenwart. Kurzfristig werden dort hohe Erträge mit z.B. Soja und Ölpalmen erzielt, doch schon nach kurzer Zeit sind die Böden ausgelaugt und die Gebiete verwüsten.
Wir wenden uns gegen Tierfütterung mit Soja in Europa. Auch die gegenwärtige Ausweitung des Palmölmarktes halten wir für sehr bedenklich. Eben dieser richtet an den Orten der Ölpalmenplantagen (v.a. Indonesien) großen Schaden an.
Unserer Meinung nach gilt es auch den gegenwärtigen Biodieselboom sehr kritisch zu betrachten. Für uns gilt, dass Ernährung Vorrang vor Bioenergie hat. Bioenergie sollte nur so viel hergestellt werden, wie eine entsprechende Region hergibt, wenn die Menschen vor Ort ausreichend mit Nahrung versorgt sind.
Wir verneinen des Weiteren die Tierhaltung in riesigen Mastanlagen, wo die Individualität der Tiere nicht gewahrt werden kann und sie nur als Produkt zum Geldverdienen gesehen werden.
Wir halten es für bedenklich, dass viele Menschen von der Nahrung, die sie zu sich nehmen entfremdet sind. Es fehlt der Bezug zu dem Ursprung der Nahrung. Das Fleisch wächst eben nicht in den Kühlregalen der Supermärkte.
Nach all den Ausführungen, zu dem was wir ablehnen, nun einiges an Konstruktivität:
Wir sind der Meinung, dass die Wiederausweitung von kleinbäuerlichen Strukturen sinnvoll wäre. Unterstützenswert halten wir das Konzept der Ernährungssouveränität, dass heißt, dass die Menschen, dort wo sie leben, die Möglichkeit haben zur Selbstversorgung mit Lebensmitteln, also sie selbst zu produzieren.
Wir denken, dass die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln zunehmend durch lokale, bzw. regionale Selbstversorgung, in Ergänzung mit Kooperation und Austausch mit anderen Menschen, bereitgestellt werden sollte.
Zur Eigenversorgung gehört auch das Recht eigenständig Saatgut zu vermehren, zurückzuhalten und ohne Patentgebühren zu bezahlen, erneut anzubauen. Das Erhalten und Weiterentwickeln von alten, regional angepassten Sorten, halten wir für wichtig.
Wir wollen solidarisch sein mit den Menschen, die für ein menschen- sowie umweltfreundliches kleinbäuerliches Leben in Süd – Nord -Ost – West kämpfen.
Es sollte viel darangesetzt werden, sich Alternativen zu überlegen, wenn das Gegenwärtige abgelehnt wird. Wohin wollen wir?
Wir denken, dass die gegenwärtigen Probleme strukturell bedingt sind, und überlegen, wie alternative Organisationsformen aussehen könnten. Es beim Überlegen zu belassen, würde natürlich nicht ausreichen, die Umsetzung sollte ausprobiert, die Alternative gelebt werden.
Eine Alternative zum jetzigen profitorientierten System sehen wir im Aufbau von Nicht-Kommerziellen Strukturen.
Neben dem Revolutionieren halten wir es auch für wichtig die Menschen über gegenwärtige Projekte zu informieren und sich ihres Verhaltens (beim Einkauf von Nahrungsmitteln) bewusst zu werden.

April 2008 agriKultur gruppe greifswald