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Rückblick auf die Kampagne zur Gentechnikfreien Region Greifswald

Eine Gentechnikfreie Region Greifwald würde bedeuten, dass auf den
Pachtflächen, die zur Stadt Greifswald gehören, keine gentechnisch
veränderten Pflanzen angebaut werden dürften. Der Bt-Mais von Monsanto ist
in Deutschland bis jetzt die einzige zum kommerziellen Anbau zugelassene
Sorte gentechnisch veränderter Pflanzen. Er stand 2008 auf einer Fläche
von 3171 ha in Deutschland.

Am 13.3. erläuterte der Berufsimker und Mitinitiator der Initiative
Gendreck-Weg, Michael Grolm die Unmöglichkeit der Koexistenz gentechnisch
veränderter mit konventionellen Pflanzen in der Landwirtschaft. Ein
Problem der Agrogentechnik sei, dass das finanzielle Risiko derzeit nicht
nur jene tragen, die die Agrogentechnik einführen wollen, sondern auch
jene, die sie eben nicht wollen. Z.B. müssten Imker theoretisch ihren
Honig auf gentechnisch veränderte Maispollen untersuchen lassen, da der
Bt-Mais nicht als Nahrungsmittel zugelassen ist, jedoch von den Bienen auch
angeflogen wird.

Am 19.3. informierte Thomas Schmidt vom Weltladen Greifswald über
gentechnische Veränderungen in Lebensmitteln. Laut Gentechnikgesetz müssen
Nahrungsbestandteile, die direkt gentechnisch verändert wurden
gekennzeichnet werden. Fleisch- , Ei- und Milchprodukte allerdings,
dessen Erzeuger mit gentechnisch verändertem Futter (z.B. Mais oder Soja)
gefüttert wurden, sind nicht kennzeichnungspflichtig.
Ein weiteres berühmtes Beispiel in seinem Vortrag war der gentechnisch
Veränderte Liberty-Link Reis, der 2006, einige Jahre nachdem
Freisetzungsversuche in den USA schon beendet worden waren, auf skandalöse
Weise als Verunreinigung im Lebensmittelreis auftauchte.

Eine weitere Diskussionsrunde folgte am 20.3..
Burkhard Roloff (BUND), Margot Peters (Imkerbund MV), Gerald Schulz
(Biolandwirt auf städtischen Pachtflächen), Katrin Brockmann
(Rechtsanwältin), Terpe (Grüne Fraktion Bundestag), gaben ihre Bedenken
zur Einführung der Agrogentechnik preis.

Zweimal, am 3.3. auf dem Fischmarkt und 25.3. auf dem großen Markt, wurde
öffentlich über die Agrogentechnik informiert und Unterschriften
gesammelt. Über 440 Bürger_innen befürworteten dabei eine gentechnikfreie
Region Greifswald.
Am 25.3. wurde zudem das Aktionsspiel Fang die Polle gespielt, bei dem ein
Haufen gelber Tennisbälle über den Markt flog und Menschen mit Fangnetzen
dem nicht gewachsen waren alle einzufangen. Die Tennisbälle symbolisierten
gentechnisch veränderten Pollen, der sich ebenso nicht lenken und einfach
einfangen lässt. Sondern er fliegt, wohin es ihn treibt und bestäubt dabei
auch Pflanzen, die gentechnisch unverändert bleiben sollten.
Damit wäre das Märchen der Koexistens vorbei.
Einmal im Freiland ausgekreuzte gentechnische Veränderungen sind nicht
rückholbar.
Aber in Europa ist es noch nicht zu spät der Agro-Gentechnik ein Ende zu
setzen.

Am 30.3. lag es nun an der Bürgerschaft von Greifswald ein Zeichen für
eine zukunftsweisende Richtung zu setzen oder aber den Profitinteressen
von Agrounternehmen zu erlegen. Die Bürgerschaft entschloss sich mit Großer Mehrheit gegen die Stimmen der CDU für eine Gentechnikfreie Region Greifswald.

eure agriKultur gruppe greifswald

OZ vom 1.Aprill: Grüne errangen Sieg mit Gentechnik-Beschluss

Greifswald Mit eindringlichen Worten argumentierte der Wissenschaftler Dr. Heinrich Cuypers auf der Bürgerschaftssitzung gegen das von der Fraktion Grüne/ok initiierte Vorhaben, Greifswald zur „gentechnikfreien Region“ zu erklären. Ertragssteigerungen bei gentechnisch veränderten Pflanzen, Wachstum auch unter extremen Witterungseinflüssen, die Entwicklung vitaminhaltigerer Sorten waren Begriffe in seinem Plädoyer für ein Greifswald, das sich der Gentechnik nicht verschließen sollte. Mit dem Beschluss indes „ist zu befürchten, dass die Stadt als innovativer Technologiestandort verliert und Investoren abgeschreckt werden“, warnte Cuypers.

Grünen-Fraktionsvorsitzender Dr. Ullrich Bittner wollte das nicht stehen lassen: „Unsere Vorlage zielt nur darauf ab, einen gewissen Schutzraum zu schaffen, mehr nicht. Wir wollen keine Gentechnik im Essen“, brachte er das Ziel auf einen Punkt und erhielt Rückendeckung von der SPD. Solange die Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen nicht eindeutig geklärt seien, „schaden wir uns nur selbst“, erklärte Hinrich Kuessner und erinnerte daran, dass Mecklenburg-Vorpommern als Gesundheitsland wirbt. „Für mich ist das bloßes Wahlkampfgetöse“, mischte sich daraufhin Dezernent Reinhard Arenskrieger in die Diskussion und warf den Grünen vor, „den Eindruck zu erwecken, hier irgendetwas bewegen zu können. Dabei hat der Beschluss Null Relevanz.“ Das sieht auch Ludwig Spring (Bürgerliste) so, der bei diesem Thema die Bundespolitik in der Pflicht sieht. Zudem sei das „Territorium Greifswald viel zu klein, als dass wir da was erreichen“, sprach auch Dr. Lüer Kühne (CDU) gegen das Papier. Doch am Ende konnten die Gegner mit ihren Argumenten nicht trumpfen, die Mehrheit schloss sich dem Vorschlag der Grünen an. Der beinhaltet nun eine freiwillige Selbstverpflichtung der auf dem Gebiet der Stadt tätigen Landwirte, auf den Einsatz gentechnisch veränderter Organismen zu verzichten. Bei Neuverpachtung soll dieser Verzicht Bestandteil des Vertrages sein. In zwei weiteren Punkten geht es darum, Sorge zu tragen, dass in kommunalen Einrichtungen nur gentechnikfreie Lebensmittel angeboten werden. P. HASE

Quelle: Ostsee-Zeitung vom 1.April 2009

Da der OZ Artikel, die „Argumente“ der Gentechnikbefürworter_innen hervorhebt, wollen wir noch mal auf die Broschüre vom Umweltinstitut München verweisen. Diese zeigt noch mal die Gefahren der Agro-Gentechnik auf. KLICK

eure agriKultur gruppe greifswald

Jetzt mit der Demokratie anzufangen ist falsch!

ein Kommentar zur gestrigen Bürgerschaftssitzung vom Mitglied der Bürgerschaft Michael Steiger (oK/Entkalker) findet sich auf dem Greifswalder Grüne Wahlblog

hier

Bürgerschaft stimmt mit Ja zur Gentechnikfreien Region Greifswald

Die Greifswalder Bürgerschaft, ohne die Stimmen der CDU, hat dem Antrag zur Schaffung einer Gentechnikfreien Region Greifswald zugestimmt. Der Antrag wurde von der Fraktion GRÜNE/ok eingebracht im rahmen der Kampagne Gentechnikfreie Region Greifswald vom Weltladen Greifswald, dem BUND Mecklenburg Vorpommern, dem Ortsverband Bündnis 90/die Grünen Greifswald-Uecker-Peene und uns der agriKultur gruppe greifswald.

Wir möchten uns als agriKultur gruppe bei allen Mensch die uns so tatkräftig unterstützt haben hiermit bedanken.

eure agriKultur gruppe greifswald

Offener Brief – Gentechnikfreie Region

Sehr geehrte Abgeordnete der Greifswalder Bürgerschaft,
wir, die Unterzeichnenden, möchten Ihnen hiermit empfehlen, für den Antrag auf eine „Gentechnikfreie Region Greifswald“ zu stimmen.
Wir sind der Auffassung, dass die kommerzielle Anwendung der Agro-Gentechnik zu viele ökologische und wirtschaftliche Nachteile mit sich bringt und zu viele ungeklärte Fragen hinsichtlich gesundheitlicher Risiken existieren, als dass ihr derzeitiger Einsatz in der landwirtschaftlichen Praxis akzeptabel wäre. Es ist davon auszugehen, dass sich Auskreuzungen im Anbau und Verunreinigungen in den verschiedenen Produktionsschritten nicht verhindern lassen. Daher ist es nicht möglich, die Risiken und Nebenwirkungen auf den Kreis der Anwender/innen zu beschränken. Stattdessen betreffen sie auch Bürger/innen und Landwirt/innen, die sich von dieser Technologie distanzieren möchten. Aus diesem Grunde ist die Entscheidung des kommerziellen Einsatzes der Gentechnik keine private, sondern eine öffentlich-politische Entscheidung.
Deshalb möchten wir Ihnen nahe legen, entsprechend Ihrer Verantwortung als Politiker/in, die Interessen der Mehrheit der Bürger/innen und Landwirt/innen zu vertreten und für eine gentechnikfreie Region Greifswald einzutreten.

Unterzeichnende:
Prof. Michael Succow,
Prof. Susanne Stoll-Kleemann,
Prof.Ulrich Hampicke,
Dr. Tiemo Timmermann,
Prof. Konrad Ott
Dr. Katja Rodi
und über 400 weitere Greifswalder/innen

dieser Brief ist im Rahmen der Kampagne „Gentechnikfreie Region Greifswald für eine Landwirtschaft ohne Gentechnik“ entstanden. Wir haben in zusammenarbeit, mit dem Weltladen Greifswald, dem BUND Mecklenburg Vorpommer und den Bündnis90/Die Grünen Greifswald-Uecker-Peene, dies Kampagne auf die Beine gestellt. Zusammen haben wir 2 Markttage und 3 Abendveranstaltungen Veranstaltet. Der Abschuss der Kampagne wird nun die Bürgerschaftsitzung am 30.3 um 18 Uhr im Rahthaus Greifswald sein. An diesem Abend wir die Bürgerschaft über eine Gentechnikfrei Region entscheiden.

Die Sitzung ist öffentlich Interessierte können sich anschauen, wie die Bürgerschaftsmitglieder argumentieren und abstimmen!

eure agriKultur gruppe greifswald

Fahrradkarawane gegen Gentechnik in der Schweiz

Auch in der Schweiz formiert sich langsam mehr Widerstand gegen „grüne“ Gentechnik. Zwar gibt es in der Schweiz ein Gentechnik-Moratorium das den kommerziellen Anbau von GVO verbietet aber dieses Jahr finden trotzdem zwei Feldversuche mit Gentechnik-Weizen statt!
Aus diesem Grund wird eine Fahrradkarawane für eine zukunftsträchtige souverane Landwirtschaft, gegen Gentechnologie organisieren ! Diese fahrt vom 9.-24. Mai 2009, quer durch die Schweiz! (Mehr Infos: www.karawane09.tk)

Also wer im Mai eine kleine Fahrradtour machen möchte sei diese Karawane ans Herz gelegt.

eure argrKultur gruppe greifswald

Hier noch der Aufruftext und das Plakat.

Mach mit bei der Velokarawane für eine zukunftsträchtige souverane Landwirtschaft, gegen Gentechnologie!
Vom 9.-24. Mai 2009 @ CH
Die Velokarawane findet vom 9.-25. Mai statt. Unser Weg führt von Reckenholz bei Zürich nach Pully bei Lausanne. An beiden Standorten wird dieses Jahr Gentech-Weizen freigesetzt. Mit der Velokarawane setzen wir ein Zeichen gegen dieses gefährliche und unnötige Experiment und setzen uns für eine nachhaltige, selbstständige Landwirtschaft ein. Eine Reihe von Veranstaltungen begleitet die Karawane auf ihrem Weg.

Der GV-Weizen wird im Rahmen des Nationalen Forschungsprogrammes (NFP 59) von der ETH und Universität Zürich freigesetzt. Die Weizensorte soll gegen Mehltau resitent sein. Bei sorgfältiger Aussaat stellt Mehltau kaum ein Problem dar. Auch im biologischen Anbau gibt es weitgehend resistente Sorten. Mit diesem Versuch folgen die nationalen Forschungsanstalten gedankenlos der privaten, kommerziellen Gentech-Forschung, die die Produktentwicklung weit höher gewichtet als die Risikoforschung. Agromultis wie Syngenta, Monsanto und Bayer setzen Gentechnik und das damit verbundene Patentrecht ein, um ihre Vorherrschaft auf dem Saatgutmarkt zu festigen. Die Bäuerinnen und Bauern geraten in eine immer grössere Abhängigkeit der Saatgutmultis. Die natürliche Auskreuzung der GVO-Pflanzen sichert eine Verbreitung unabhängig vom Willen der LandwirtInnen. Welche Probleme die Auskreuzung mit anderen Pflanzen verursacht, interessiert die Unternehmen nicht weiter. Die Markteinführung von GVO-Pflanzen in Ländern wie den USA oder Indien zeigen deutlich genug die Folgen dieser Politik. Bauern und Bäuerinnen leiden unter der totalen wirtschaftlichen Ausbeutung und verschulden sich zunehmend. Biologische Landwirtschaft, die schon von Gesetzes wegen gentechfrei sein muss, wird unmöglich.

Dass der Bund diese Entwicklung mit eigenen Forschungsversuchen unterstützt, erscheint uns mehr als fragwürdig und untolerierbar.
Es liegt in unserer Hand: Werden wir aktiv für eine selbstbestimmte Landwirtschaft in einer intakten Umwelt – für uns und die nach uns!

das Plakat gibt es hier groesser zu sehen

Gentechnik im Widerstreit

kleine Anmerkung: nicht nur die Grünen, wie die Ostsee-Zeitung berichtet, wollen „Greifswald zur Gentechnikfreien Zone machen“ sondern ein ganzes Bündnis aus dem Weltladen Greifswald, dem BUND Meck-Pomm, den hiesigen Bündnis 90/ Die Grünen Ortsverband und uns der agriKultur gruppe greifswald möchte dies.

Die nächste Veranstaltung der Kampagne mit dem Titel Gentechnik im Essen ungeliebt und doch vorhanden? findet übrigens am 19.03. um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Greifswald (Knopfstrasse 18-20) statt.

hier noch mal der Flyer: Klick

Gentechnik im Widerstreit

Die Grüne wollen, dass Greifswald zur gentechnikfreien Zone wird. OZ sprach mit Dr. Ralf Döring (Grüne) und Dr. Heinrich Cuypers (BioConValley)
OZ: Hat die Grüne Gentechnik ihre Verheißungen, wie die nach ertragreicherer Sotten und Wachstum unter Extrembedingungen, erfüllt?

Heinrich Cuypers: Ja, es gibt dafür schon Beispiele wie die Übertragung das Bio-Pestizid „BT Toxin“ oder die Herbizidresistenz RR. Inhaltsstoffe wurden z.B. bei „Golden Rice“ oder der Kartoffelsorte „Amflora“ verändert, die derzeit bei der EU zur Zulassung eingereicht wurde. Weiterhin werden derzeit salz- und trockentolerante Sorten entwickelt. Gentechnik-Landwirte können mit den zugelassenen Sorten umweltverträglichere Herbizide einsetzen, um Schädlinge zu bekämpfen. Nach einer Studie der Universität Hohenheim ist beispielsweise beim Anbau der genveränderten Baumwolle der Ertrag auf durchschnittlich 24% gesteigert und der Einsatz von Insektiziden um 54% reduziert.

Ralf Döring: Nein, die grüne Gentechnik hat Ihre Versprechungen nach ertragreicheren und dürreresistenten Pflanzen zur Bekämpfung des Welthungers nicht erfüllt. Es kommt zu verstärkter Intensivierung, Einschränkung von Fruchtfolgen oder einer Verminderung der Bodenfruchtbarkeit. Nur große Saatgutkonzerne können sich die enormen Entwicklungskosten leisten. Rund 80% der heute angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen stammen so von Monsanto. Insgesamt schadet die grüne Gentechnik mehr als sie nützt.

OZ: Gehen Sie davon aus, dass die Verwendung gentechnisch veränderter Pflanzen und Tiere die Umwelt schädigt?

Cuypers: Das wird durch sehr aufwendige Zulassungsverfahren geprüft. Bewilligungen gentechnischer Arbeiten sind in Deutschland und der EU streng geregelt und nach ihrer Gefährdung für Mensch, Tier und Umwelt – in dieser Reihenfolge und Wertung – in die international 4 gültigen Sicherheitsstufen eingruppiert. Umweltschädigende neue Organismen werden nicht zugelassen. Ergebnisse zu möglichen Langzeitwirkungen gentechnisch veränderter Pflanzen liegen trotz laufender europaweiter Untersuchungen noch nicht vor.

Döring. Ja. Entgegen der Behauptungen, dass weniger Herbizide zur Bekämpfung nicht gewollter Pflanzenarten landläufig als „Unkräuter“ oder „Beikräuter“ bekannt, sowie Pestizide zur Bekämpfung insbesondere von Schadinsekten verwendet werden können, zeigen etliche Studien aus den USA, Kanada und Lateinamerika, dass mehr und heftigere Pflanzenschutzmittel aufgebracht werden. Angeheizt wird der Teufelskreis durch rasches Resistentwerden der Beikräuter.

OZ: Sind gentechnisch veränderte Organismen ungesund oder schmecken sie schlechter?

Döring: Letzte Frage ist Geschmackssache. Ersteres ist völlig offen, da es keine Langzeitstudien gibt. Es gibt vereinzelte Studien, die verschiedene negative Auswirkungen auf die Gesundheit wie Unfruchtbarkeit, Veränderung des Blutbildes in den Leberzellen der Versuchstiere belegt haben. Diese sind ein starkes Argument dafür, endlich in die Erforschung der gesundheitlichen Risiken zu gehen. Wer jetzt gentechnisch veränderte Organismen anbaut und freisetzt, riskiert die Gesundheit aller.

Cuypers: Jegliche Veränderung einer Pflanze, ob durch klassische Zucht oder gentechnisch, kann zu einer Veränderung der Stoffzusammensetzung und damit Geschmack oder andere Eigenschaften in der Pflanze führen. Gesundheitsschädigende neue Pflanzen und daraus hergestellte Lebensmittel werden weltweit nach dem Codex der Weltgesundheitsorganisation nicht zugelassen. Vielmehr werden gesundheitsfördernde Organismen entwickelt, unter anderem der vitaminhaltige „Golden Rice“. Derzeit sind nur in Nordamerika, und zwar seit 1996, vor allem aus gentechnisch verändertem Soja und Mais produzierte Lebensmittel im Handel. Geschmacksveränderungen sind nicht bekannt.

OZ: Rechnen Sie mit Auswirkungen auf BioCon Valley, also den Wissenschaftsstandort Greifswald durch die Etablierung einer gentechnikfreien Zone ?

Döring: Nein, da die gentechnikfreie Region einzig den kommerziellen Anbau betrifft.

Cuypers: Die Bezeichnung „Gentechnikfreie Zone“ ist weder hilfreich noch angemessen für einen innovativen Wissenschafts- und Technologiestandort. Vieles wie Baumwollkleidung und Papiergeld wird aus Rohstoffen gentechnisch veränderter Pflanzen hergestellt. Interview: Eckhard Oberdörfer

Quelle: Ostsee-Zeitung 17. März 2009

Ziel der gentechnikfreien Region in Ausschüssen umstritten

Ziel der gentechnikfreien Region in Ausschüssen umstritten

Greifswald Die Bürgerschaftsfraktion Grüne/oK konnte mit ihrer Beschlussvorlage zur „Gentechnikfreien Region Greifswald“ im Bau- und Umweltausschuss keinen Erfolg erzielen. Nach langer Diskussion, geprägt von vielen Zweifeln insbesondere der Christdemokraten, gab es ein Patt: Bei drei Enthaltungen hatten sich jeweils drei Gremiumsmitglieder für bzw. gegen das Ansinnen ausgesprochen. Worum ging es?

Mit eindringlichen Worten versuchte Dr. Ullrich Bittner die Vorzüge einer „gentechnikfreien Region“, wie es sie mittlerweile an 160 Orten in Deutschland gebe, darzustellen. Die so genannte Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen und Tiere bringe Gefahren mit sich, die heutzutage für Verbraucher kaum abzuschätzen seien. Der Fraktionsvorsitzende von Grüne/ok argumentierte mit Forschungsergebnissen, die über verschiedene Risiken aufklärten. Bittner, der ausdrücklich betonte, nicht gegen Gentechnik zu sein, plädierte für eine freiwillige Selbstverpflichtung der auf dem Gebiet der Stadt tätigen Landwirte, auf den Einsatz und die Freisetzung gentechnisch veränderter Organismen zu verzichten. So lautet einer der Punkte in der Beschlussvorlage. Ferner sollte bei Neuverpachtungen von seiten der Hansestadt dieser Verzicht vertraglich vereinbart werden.

Während sich Hinrich Kuessner (SPD) vehement für dieses Ziel aussprach und darin „eine echte Chance“ für Greifswald sieht, gab es bei anderen Ausschussmitgliedern große Bedenken. Gentechnikfreie Region könne beispielsweise suggerieren, dass auch entsprechende Forschung nicht gewollt sei. „Wir wollen Technologiestandort werden und geben jungen Wissenschaftlern auf diesem Gebiet keine Chance“, bemerkte Ausschussvorsitzender Jürgen Liedtke. Worüber Ullrich Bittner nur den Kopf schütteln konnte – die Formulierung „gentechnikfreie Region“ sei ein gängiger Begriff, der wissenschaftliche Arbeiten zum Thema in der Region keinesfalls ausschließe. Für Einwürfe, man kenne sich mit dem Thema nur wenig aus, konnte Bittner kein Verständnis aufbringen. Er hatte für einen Landwirt und einen Vertreter des BUND vorab Rederecht beantragt; der Ausschuss lehnte mehrheitlich ab. Indes plädierten die Christdemokraten, aber auch Dr. Jörn Kasbohm (Linke) dafür, mit den Landwirten in der Stadt zu sprechen, um deren Sichtweise zu erfahren.

Im Ausschuss für Wirtschaft, Kultur und Tourismus erhielten Burkhard Roloff vom BUND und Gerhard Schulz, der seit 1993 Pächter städtischer Flächen ist und 2007 auf ökologische Bewirtschaftung umstellte, Rederecht und plädierten für die Vorlage. Bemängelt wurde von verschiedener Seite, das kein Anhänger der grünen Gentechnik geladen war. Ein Brief von Heinrich Cuypers, Projektmanager der BioCon Valley GmbH, hatte nicht mehr alle Ausschussmitglieder erreicht. Er befürchtet einen Imageschaden für den Technologiestandort Greifswald und meint, dass der Verzicht auf grüne Gentechnik auch umweltschädigend sei, weil er die Nutzung der Gentechnik für eine umweltschonende Landwirtschaft verhindere.

Nach sehr ausgiebiger Debatte stimmte die Mehrheit auf Antrag von Wilfried Zink (CDU) dafür, die Entscheidung zu vertagen, um auch einen Vertreter der grünen Gentechnik zu hören. Ob das viel bringt, bleibt abzuwarten. Wie Peter Multhauf (Linke) bemerkte, ist hier keine wissenschaftliche, sondern eine politische Entscheidung zu fällen. Die Bürgerschaft wird am 30. März über das Thema beraten. Die Vertagung im Ausschuss hat darauf keinen Einfluss, weil Grüne/ok den Antrag direkt einbringen können. P. HASE/E. Ob.

Quelle: ostsee-zeitung.de 05.03.2009

Gentechnik: Stadt soll abschwören

Gentechnik: Stadt soll abschwören

Greifswald In mehreren Veranstaltungen wollen Umweltverbände und lokale Initiativen in den Folgetagen für eine Gentechnikfreie Region Greifswald werben. Die Kampagne, die vom Weltladen, der AgriKultur Gruppe Greifswald, dem Kreisverband von Bündnis 90/ Die Grünen und dem Bund für Umwelt und Naturschutz ausgeht, wird heute mit einem Informationsstand auf dem Fischmarkt eröffnet.

Für den 13. März kündigten die Organisatoren ein Forum im Lutherhof an. In der Stadtbibliothek geht es am 19. März um die Gentechnik und das Essen. Tags darauf soll die Idee einer Gentechnikfreien Region Greifswaldim Rathaus vorgestellt werden. Ziel der Kampagne sei eine eine freiwillige Verzichtserklärung auf Gentechnik durch die Hansestadt. Dazu hat die Fraktion Grüne/ok einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht. Schon heute soll die Idee vom Umweltausschuss der Bürgerschaft diskutiert werden. „Die Anwendung von Gentechnik in der Landwirtschaft bringt einfach viele wirtschaftliche und ökologische Nachteile mit sich, sodass von ihrer Anwendung abgesehen werden muss“, erklärt Ralf Döring, Finanzpolitischer Sprecher der Fraktion GRÜNE/ok. Hinzu komme, dass die gesundheitlichen Risiken noch nicht geklärt seien. S. J.

Quelle: ostsee-zeitung.de 4.03.2009

Verbraucherzentrale: Liste gentechnikfreier Produkte

Verbraucherzentrale: Liste gentechnikfreier Produkte

Die Verbraucherzentrale Hamburg hat eine Liste mit gentechnikfreien Lebensmitteln veröffentlicht. Die Produkte können nach Angaben der Verbraucherschützer auf der Internetseite www.vzhh.de eingesehen werden. Die Liste soll fortwährend erweitert werden.

hier geht es direkt zur Seite mit der Liste : KLICK