Besetzung des Versuchfelds in Groß-Lüsewitz beendet

Die Besetzung einer Versuchsfläche im Agrobiotechnikum in Groß-Lüsewitz bei Rostock ist gestern abend gegen 21 Uhr zu Ende gegangen. Nachdem vier Aktivisten bereits am Nachmittag von einem dreibeinigem Turm heruntergeholt worden waren oder selbst herunter geklettert waren, gelang es der Polizei am Abend, vier weitere Gentechnikgegner, die sich an zwei Betonfässern festgekettet hatten, freizubekommen.
Dabei ging sie außerordentlich rabiat gegen diese vor. „Die Polizei vor Ort hatte die Möglichkeit, ein technisches Team von weiter her anzufordern, hat sich jedoch dagegen entschieden“, so einer der Besetzer. „So war die Räumung sehr schmerzhaft. Wir hatten Hautabschürfungen an den Händen, als wir freikamen.“

Insgesamt 13 Personen wurden festgenommen, darunter auch eine Minderjährige von 11 Jahren. Ihr Vater wurde unter dem Vorwand, diese abholen zu können auf die Polizeiwache geladen, dort aber nicht zu ihr vorgelassen, sondern stattdessen ED-behandelt. Eine weitere Aktivistin, die sich von der Feuerwehr von dem Turm hatte holen lassen, musste fünf Stunden mit dem Rohr am Arm auf der Polizeiwache ausharren. Ihrem Wunsch nach etwas Wasser oder etwas zu essen kam die Polizei nicht nach. Inzwischen sind alle Aktivisten wieder frei. Das Agrobiotechnikum erhebt gegen sie Anklage wegen schwerem Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung.

Die Gentechnikgegner hatten in den frühen Morgenstunden des 3. Aprils 2009 ein Feld des Agrobiotechnikums besetzt, um die Aussaat gentechnisch manipuliertem Saatguts zu verhindern. Derzeit läuft auf dem Gelände ein Überwinterungsversuch von Kartoffeln, zwei weitere Kartoffelversuche sind für dieses Frühjahr geplant. Auch gentechnisch veränderter Weizen, Gerste, Zuckerrüben und Petunien sollen ausgebracht werden. Vorallem Zuckerrüben können sich über extrem weite Entfernungen – von bis zu 10 Kilometern – auskreuzen.

Besonders problematisch finden die Feldbesetzer die geplante Freisetzung von Pharmapflanzen, unter ihnen eine Kartoffelsorte, die Gene des Cholera-Bakteriums in sich trägt. Aus ihr soll ein Impfstoff gegen diese Krankheit entwickelt werden. Andere Kartoffeln sollen einen Impfstoff gegen die Kaninchenseuche RHD produzieren.

Lüsewitz ist ein traditioneller Züchtungsstandort für Kartoffeln. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Agrobiotechnikum befindet sich zudem eine Saatgutbank für diese Gewächse sowie die Flächen, auf denen das dort gelagerte Saatgut in regelmäßigen Abständen angebaut wird, um es keimfähig zu halten. „Gerade hier mit gentechnisch veränderten Pflanzen Freisetzungsversuche zu machen legt die Absicht der Gentechnikindustrie offen: Es geht darum, Saatgut durch Auskreuzung zu verunreinigen und alte, traditionelle Sorten zu gefährden“, erklärt Johanna Rehse, eine der Feldbesetzer.

Der Ort der Besetzung ist genau gewählt: Hier finden dieses Jahr nicht nur gebündelt mehrere Freisetzungsversuche statt, sondern hierhin fließen auch beträchtliche Fördersummen: „Es besteht die Vermutung, dass es hier weniger um Forschung als primär um Imagepflege für die Gentechnik und das Abgreifen von Fördergeldern in Millionenhöhe geht“, so Rehse.

Ab Montag soll auf dem Grünstreifen vor dem Feld eine Mahnwache abgehalten werden. Weitere Aktionen sind noch in der Planung.

Weitere Informationen unter
http://de.indymedia.org/2009/04/246035.shtml
http://www.projektwerkstatt.de/gen/agrobiotech_filz.htm

Quelle: PM der Besetzer_innen via E-Mail